Gitarrist Kalle Kalima veredelte in Hall schlagerhafte Cowboy-Musik

17.01.2017 20:59 von jazz (Kommentare: 0)

 

Foto: Kumpf

Text und Fotografien: Hans Kumpf

 

Wildwest im Barockambiente

 

Populäre Melodien voller Cowboy-Romantik transformiert Kalle Kalima in artifiziellen Elektro-Gitarren-Sound. Der Ende 1973 in Helsinki geborene Finne mit Wahlheimat Berlin präsentierte zusammen mit dem ebenfalls in der Bundeshauptstadt wohnenden dänischen Kontrabassisten Andreas Lang und dem Frankfurter Schlagzeuger Max Andrzejewski, dessen Vorfahren aus Polen kommen, in der Hospitalkirche eine ganz individuelle Version von Westernmusik.

 

In Anlehnung eines Beatles-Hits nennt Kalle Severus Kalima seine Formation „Long Winding Road“. Der Skandinavier biedert sich freilich bei der U-Musik nicht an, sondern veredelt diese seriös und über die Maßen virtuos zumeist im rockjazzigen Metier und gewinnt dem scheinbar Vertrauten verblüffend neue Facetten ab. Dabei kann der mit vielerlei Pedalsteuerung vorgehende E-Gitarrist zuweilen wie Karlheinz Stockhausen und Jimi Hendrix erschallen. Im Repertoire hat Kalima auch berühmte Nummern von Prince, David Bowie und Leonhard Cohen, alle drei ja im Vorjahr verstorben.

 

Außerdem würdigte der Finne in der Hospitalkirche zwei Landsleute. Von Jean Sibelius interpretierte er mit seinem Trio gemächlich und friedvoll einen Jägermarsch, den „Jääkärimarssi“. Von dem 1909 als Teenager in die USA emigrierten Hiski Salomaa übernahm er das Globetrotter-Lied “Lännen Lokari”. Den Song startete Kalima gemächlich mit tiefen Tönen – ein eher trübsinniges Einschwingen. Alsdann furioses Spiel, bei dem Kalima mit der rechten Hand die Saiten in Höhe des Griffbretts traktierte.

 

Dann setzte er die typische „bottle neck“-Technik ein. Längst brauchen die „Guitareros“ in aller Welt keinen angebrochenen Flaschenhals mehr, sondern stülpen sich eine Metallhülse über den Ringfinger, um hin- und herschleifende Glissandi zu erzielen. Zudem bediente sich Kalima eines kleinen Razers, mit dem er batteriebetrieben die Saiten in Dauerschwingung versetzen konnte: Schwirrende Töne wie aus einem Theremin. Dies bewerkstelligte er beispielsweise bei dem allbekannten Ohrwurm „The Green Leaves Of Summer”. 

 

Als kongeniale Begleiter und als veritable Solisten profilierten sich Andreas Lang am Korpusbass (stets zupfend und ohne Bogenstrich) sowie der subtil agierende Schlagzeuger Max Andrzejewski, der zuweilen ein paar Perkussionsinstrumente zur Hand nahm.

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben