Die Big Band Schwäbisch Hall trat in der vollen Hospitalkirche mit dem versierten Vokalisten Brady Swenson auf

09.04.2017 14:32 von jazz (Kommentare: 0)

 

Big Band Schwäbisch Hall - Foto: Kumpf

Text und Fotografien: Hans Kumpf

 

Knallhart und messerscharf

 

Eigentlich wurde das Konzert plakativ mit „Springtime Swingtime“ beworben, doch Tobias Scheibeck präsentierte mit seiner Großformation zum Frühlingsbeginn weniger Stücke aus der stolzen Swing-Ära der 1930er Jahre als ziemlich aktuelle Pop-Songs im Jazzgewand und Frank-Sinatra-Hits. Freilich, es gelangten einige altbekannte und bewährte Titel wie George Gershwins „Fascinating Rhythm“ oder der von Sammy Nestico erdachte Reißer „Basie Straight Ahead“ zu Aufführung.

 

Bei den meisten der am Abend gespielten 16 Nummern wirkte Brad Swenson mit. Seit zwei Jahrzehnten lebt der aus Wisconsin stammende Amerikaner in Berlin, und in Schwäbisch Hall verkörperte er bei den Freilichtspielen auf der Großen Treppe wiederholt den Heiner in der Revue „The Stairways To Heaven“. Nun stand also der studierte Musikwissenschaftler, Vokalist und Pianist in der barocken Hospitalkirche vor geballter Big-Band-Power. Mit sonorem Bariton und auch in geschmeidiger Tenorlage interpretierte der gewiefte Entertainer einige einschmeichelnde Welterfolge von Frank Sinatra, beispielsweise „New York, New York“, „My Way“ und „I Get A Kick“. Allerdings sang Swenson präziser als seinerzeit der oft intonationsgetrübte „Frankie Boy“. Ohne ostentativem Zigarettenkonsum und wilder Whiskeysauferei auf der Bühne geht’s eben besser…

 

Cy Payne richtete etliche Charts-Erfolge für swingende Big Bands samt Gesangsolisten (Paul Anka!) ein. So etwa „Wonderwall“ von Oasis, „True“ (Spandau Ballet) sowie „Smells Like Teen Spirit“ von Kurt Cobain (Nirvana). Die von Tobias Scheibeck dirigierte Big Band und (der inzwischen bartlose) Swenson kreierten davon jeweils ein stimmiges künstlerisches Gesamtergebnis.

 

Besonders reizvoll geriet das ausgefeilte Arrangement eines leider anonym verbliebenen Autoren zu „Locked Out Of Heaven“, primär bekannt durch Jennifer Lopez: Himmlisch jubilierend und höllisch-feurig zugleich, knallharte und messerscharfe Trompeten-Staccati, rockige Einwürfe der Rhythmusgruppe.

 

Neu in der „rhythm section“ saß nun am Schlagzeug der einfühlsame Uwe Herden, die Keyboards wurden dieses Mal mit Matthias Egner und Raffael Speidel der Klangfülle wegen doppelt besetzt. Zwei „Oldies“ agierten wieder gekonnt mit ihren Saiteninstrumenten: Stan McKee an der Gitarre und Hansi Speidel am Kontrabass und der Bassgitarre.

 

Etliche Bläser würzten die diversen Musikstücke durch kurze Solobeiträge, stellvertretend für viele Kollegen sei hier Stefan Scheuermann auf dem Tenorsaxophon genannt. Dirigent Tobias Scheibeck griff bei dem südamerikanisch inspirierten „Tangerine“ beherzt zur Posaune. 

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