Review: Rotozaza - Zero

09.10.2016 19:00 von jazz (Kommentare: 0)

 

Rotozaza - Essence Cover
 

 

Leo Records CD LR763

 

Die Titel sprechen für sich. Die „Anwendung herzstärkender Mittel“ beginnt mit einer Geräuschcollage, die in der Tat aufregendes Herzklopfen verursacht. Spannung ergibt sich zwangsläufig aus dem Zusammenspiel der Bass-Klarinette Rudi Mahalls, der Elektronik auf der Gitarre von Nicola Hein, dem Double-Bass von Adam Pultz Melbye und dem Percussion/Schlagwerk von Christian Lillinger. Dabei folgen die Instrumentalisten nicht einem Thema, sondern dem Akt der Schöpfung aus dem Moment heraus, der Intensitätssteigerung und den Tempi, die sich aus den Interaktionen ergeben.

 

Das Quartett „Rotozaza“ besteht aus Musikern, die sich dem freien Improvisieren verpflichtet fühlen. Dass daraus eine in sich logische Collage entsteht, setzt eine Intimität und ein gegenseitiges Verständnis voraus, ein intensives Aufeinanderhören sowie eine gemeinsame Zielrichtung. Jeder der Musiker bringt beim Spontan-Spiel zugleich seine Persönlichkeit ein. Und die Erfahrung mit der Jazz-Tradition ein – die nicht negiert, sondern verarbeitet wird.

 

So entsteht eine Musik, die im weitesten Sinn als Jazz bezeichnet werden kann, weil sie sich in der gemeinsamen Improvisation verwirklicht. Dabei werden, wie die Künstler versichern, keinerlei Absprachen getroffen. „Spontane Komposition“ hat einst der legendäre Posaunist Albert Mangelsdorff für seine Soli die Vorstufe dieser Technik genannt.

 

Neben aufregenden schnellen und dichten Passagen entstehen meditative Schöpfungen wie „Engel mit Schutzanzügen“, in denen die Instrumente leise und langsam ertönen, sich gegenseitig befruchten und ergänzen. Lillinger nutzt die Becken und Percussion, der Bass brummt, die Gitarre steuert High-Notes bei und die Bassklarinette legt das Fundament oder schreit rau. Die Musik fließt nicht rasend einher, sondern schreitet schrittweise voran. „Innere Minuslandschaften“ wiederum besteht aus nervös wirkenden Rasereien mit einem Walking-Bass-Lauf.

 

Diese Verbindung von freiem Jazz und Sound-Improvisation ist eines der Markenzeichen für den europäischen Creative Jazz und für die Kölner Impro-Szene.

 

(km)

 

 

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