Review: Kathrin Lemke Quartett - My Personal Heimat

24.10.2016 19:41 von jazz (Kommentare: 0)

 

Kathrin Lemke Quartett - My Personal Heimat - Cover
 

Klaus Mümpfer

 

fixcel records 13

 

Kathrin Lemke wurde nur 44 Jahre alt. Die 1971 geborene Saxophonistin arbeitete bis zuletzt im Januar 2016 an dem Projekt „My personal Heimat“, in dem sie auf originelle Weise Volkslieder, Songs und Eigenkompositionen bearbeitet. „Bolle reist jüngst zu Pfingsten“, Raymonds „Ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren“ und Mendelssohn Bartholdys „Abschied vom Walde“ oder „Das Lied der Schlümpfe“ zählen ebenso dazu wie „The house oft he rising sun“  oder ihr „Ebendadort“.

 

Die Lieder werden auf ihren Kern reduziert, sind aber erkennbar. Die Musikerin setzt sich mit den Originalen auf faszinierende Weise auseinander, lässt Teile der Melodien immer wieder aufblitzen, auch wenn sie verfremdet auf die Instrumente ihres Quartetts mit dem Pianisten Niko Meinhold, dem Bassisten Adam Pultz Melbye und dem Drummer Michael Griener transponiert wurden. So pulsiert die Musik in Lemkes Arrangements mit dem soundfärbenden Saxophon der Leaderin.

 

Mal fließt die Musik wie in „Bolles“ Reise, mal schreitet sie gravitätisch wie im „Heidelberg“-Song. Das Saxophonsolo im „Lied der Schlümpfe“ klingt wie eine Übung, die zugleich von der schöpferischen Kraft der Künstlerin zeugt. „Ich wünsch´ mir eine kleine Miezekatze“ steckt voller Humor und belegt wie alle Bearbeitungen die Spielfreude der Beteiligten.

 

Ihre eigene Komposition „Ebendadort“ verrät die Eigenständigkeit der Saxophonistin, die die Tradition bewahrt und in vielen Arrangements ausspielt, sie aber oftmals wie in „Abschied vom Walde“ auf die Stufe des freien Jazz erhebt. So werden die zwölf Kompositionen  zu unterhaltsamen, emotional eingefärbten und spannenden Miniaturen verdichtet, in denen die Improvisation eine wichtige Rolle spielt.

 

Lemke hat in ihren Partnern die idealen Mitspieler gefunden, die sensibel reagieren und wie der Bassist in „Rio Jarama“ reizvolle Soli beisteuern. „My personal Heimat“ ist ein würdiges Vermächtnis der allzu früh nach schwerer Krankheit verstorbenen Jazzmusikerin.

 

 

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