Review: Herbert Joos - The Best

04.12.2016 20:42 von jazz (Kommentare: 0)

 

Herbert Joos - The Best - Cover

 

HGBSB 16006CD

 

Der Trompeter und Flügelhornspieler Herbert Joos ist ein Melancholiker und Perfektionist auf der immerwährenden Suche nach dem idealen Klang. Ob nun als Solist mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart in „Why“ oder in der kleinen Besetzung mit dem Percussionisten Joe Koinzer, dem Pianisten Paul Schwarz und Miriam Ernst am Englischhorn in „I´m a fool to want you“, Herbert Joos wandelt stets auf den Pfaden sinnlicher Klangforschung. Selbst wenn der Musiker mit spitzen, überblasenen High-Notes kontrastierend gegen die Bassklarinetten von Hans Koller und Ronnie Ross anbläst, selbst wenn er wie in „Für Haronn“ in den Gefilden des Free-Sounds wuchert, Herbert Joos bleibt emotionaler Ästhet. Als Komponist, Interpret und malender Künstler.

 

Das neue Album „The Best“ ist diesem Weg von den Einspielungen aus den Jahren 1976 bis 2016 gefolgt und stellt den Melancholiker mit dem warmen, mal reinen, mal leicht rau überblasenen Ton in den verschiedensten Konstellationen vor. Der „Love song“ ist ein typisches Beispiel für Bert Nogliks treffende Charakterisierung des Künstlers im Booklet zum Sampler.

 

In Matthias Rüeggs Vienna Art Orchestra bläst Joos das Alphorn mit der gleichen sinnlichen Intensität, die der Künstler an seinen eigentlichen Instrumenten Trompete und Flügelhorn an den Tag legt. Der Geist der freien Improvisation spricht auch aus seiner jüngsten Aufnahme „The change of beauty“ aus diesem Jahr mit dem schwebenden Ton vor der knurrenden Basis von Frank Krolls Kontrabassklarinette und als Antwort auf die Lyrismen des Pianisten Patrick Bebelaar.

 

Nahezu orchestral klingt der Kornettist gemeinsam mit dem Südpool Ensemble im Marsch-inspirierten freien Stück „Marcia Funebre“ mit ausgesprochen wilden Kollektiven. Und dennoch: Lyrismus lag dem Stuttgarter Musiker-Maler offensichtlich stets näher als die Soundorgie.

 

In Januar 2017 wird Herbert Joos der Landesjazzpreis Baden-Württemberg - der zum dritten Mal in der Kategorie „Sonderpreis für das Lebenswerk“ vergeben wird - überreicht. Die vorliegende CD „The Best“ zeugt davon, dass der Künstler zu Recht diese Auszeichnung erhält. 

 

(km)

 

Jazzpages

 

 

Zurück