Anke Helfrich-Trio in Mainz mit "Dedication"

15.03.2017 16:30 von jazz (Kommentare: 0)

 

Anke Helfrich Trio - Photo: Mümpfer

 

 

Aus dem Laptop auf dem Bechstein-Flügel erklingt die Stimme des Bürgerrechtlers Martin Luther King. Seine legendären Worte „I have a dream“ werden verstärkt und betont durch einen wuchtigen Akkordgriff der Pianistin Anke Helfrich. Sie hat die Rede aus dem Jahr 1963 im Sprachfluss genauestens transkribiert und auf eine Melodielinie harmonisiert. Das Trio mit dem Bassisten Martin Wind und dem Schlagzeuger Jens Düppe verwandelt die Ansprache zu einem mitreißenden Gospelsong. „The prize“ setzt beim Konzert im Frankfurter Hof in Mainz einen würdigen Schlusspunkt, bei dem Helfrich Cluster auf dem Flügel hämmert, mit Ostinati Spannung erzeugt, Wind den Kontrabass mit dem Bogen streicht und Düppe mit Tüchern und Besen die Felle zum Vibrieren bringt - bevor das Trio in eine fulminantes Finale einsteigt.

 

Die Weinheimerin erzählt bei der Vorstellung ihrer CD „Dedication“ von ihrer Kindheit in Südafrika, wohin es die Eltern verschlagen hat. Sie berichtet von ihrem Engagement in der Anti-Apartheid-Bewegung, den Besuchen in den Ghettos und von ihrer Bewunderung für Nelson Mandela. Anke Helfrich zitiert das Lieblingsgedicht „Invictus“ des legendären Mannes und bettet die Worte von William Ernest Henley „I am the captain of my soul“ in ihre soundstarke Komposition. Ebenso komplex und als ein Stück für drei gleichberechtigte musikalische Partner erklingt „Chan´s song“ von Herbie Hancock aus dem Jazz-Film „Round Midnight“, während aus dem Computer die Melodie angespielt wird. Nahezu balladesk mit meditativen Akkordanschlägen auf dem Flügel, harmonisch reizvollen Basslinien und sanftem Trommelspiel erinnert sich die Pianistin an den Streifen des Regisseurs Bertrand Tavernier. „Neben Dexter Gordon und Wayne Shorter sind fast ausschließlich Jazzer aufgetreten“, berichtet die renommierte Musikerin. Sie liebt in dem Streifen besonders die Szene am Meer, in der die zitierte Komposition erklingt

 

“Dedication“ kann mit Zuordnung oder Hingabe übersetzt werden. Inspirationen haben der Pianistin und Komponistin berühmte Männer geliefert, doch sie hat die „starken Frauen aus der Familie“ nicht vergessen. Ihnen widmet Anke Helfrich mit „Sagrada familia“ ein Stück, das sie mit harten Akkorden einleitet. Ebenso liebevoll, aber mit weicher Stimmung, eingespieltem Vogelgezwitscher und warmem Harmoniumklang erinnert sie sich an Italien. Die Komposition „Sehnsucht“ präsentiert den Bassisten Martin Wind mit Pizzicati und gestrichenen Passagen auf dem Kontrabass. Düppe erhält mehrfach die Gelegenheit zu vielschichtigen und treibenden Soli auf dem Schlagzeug. Das Trio pendelt an diesem Abend zwischen subtilen Balladen, freien Improvisationen, groovendem Spiel und swingendem Bop. Thelonious Monk, der in Helfrichs musikalischem Werdegang eine besondere Rolle spielte, hat hörbar ihre Kunst befruchtet.

 

Das Publikum im Frankfurter Hof in Mainz spendet frenetischen Applaus. Das Anke Helfrich-Trio belohnt es mit „Song for Larry“. Diese Zugabe widmet sie dem Organisten und Pianisten Goldings.

 

 

TheJazzPages

Text und Photographie von Klaus Mümpfer

 

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben